Unternehmen sind heute wie nie zuvor angehalten, verantwortungsvoll zu handeln – der Gesellschaft, den eigenen Mitarbeitenden und der Umwelt gegenüber. Frühzeitig und richtig auf Entwicklungen zu reagieren, ist wichtig. Das gilt auch für den Klimawandel – eine der größten Herausforderungen, vor denen wir heute stehen. Ein Gespräch mit Jörg Arnold, CEO von Swiss Life Deutschland, über die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Finanz- und Versicherungsbranche, persönliches Engagement und Ziele für eine nachhaltigere Zukunft.

Auf die Folgen der Klimakrise und die Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt machten vor Ausbruch der Pandemie weltweit Millionen Jugendliche bei Demonstrationen aufmerksam. Herr Arnold, hätten wir Sie als Jugendlicher auch auf den Demonstrationen angetroffen?
Ich finde es gut und wichtig, dass junge Menschen – die noch viel länger auf dieser Welt leben werden als meine Generation – das Thema für sich entdecken und sich dafür einsetzen. In meiner Jugend gab es ebenfalls eine Zeit, in der junge Leute auf die Straßen gingen. Zugegebenermaßen war ich dort nicht dabei. Viele Anstöße im Bereich des Klimaschutzes hätte es vermutlich gar nicht gegeben, wenn die jungen Leute sich nicht dafür stark gemacht hätten. Dafür gebührt ihnen Dank. Jetzt gilt es vor allem, das Thema aktiv anzugehen, und dafür ist der Beitrag jedes Einzelnen notwendig.

Fest steht: Wir alle müssen aktiv werden. Was bedeutet Ihnen Nachhaltigkeit persönlich?
Beruflich reise ich unter normalen Umständen sehr viel, da ich zwischen den einzelnen Standorten pendle. Flugreisen ersetze ich zum Großteil durch Zugfahrten – diese stille Arbeitszeit nutze ich effektiv und ganz bewusst. Das zeigt auch, Nachhaltigkeit hat nichts mit Einschränkung zu tun, sondern eröffnet Chancen.

Da ich mich beruflich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetze, reflektiere ich natürlich auch mein privates Verhalten und versuche, nachhaltiger zu leben. Ich habe schon immer sehr gerne Urlaub in der Region gemacht und weiß das durch die aktuelle Krisenzeit noch mehr zu schätzen. Daraus ist auch ein persönliches Vorhaben entstanden. Ich habe das Ziel, zu Fuß kreuz und quer durch Deutschland zu gehen: 3000 Kilometer von der Nordspitze Sylts bis auf die Zugspitze. Das hält mir persönlich immer vor Augen, wie wichtig der Erhalt von Natur und Umwelt ist.

Portrait Jörg Arnold, CEO Swiss Life Deutschland
Das zeigt auch, Nachhaltigkeit hat nichts mit Einschränkung zu tun, sondern eröffnet Chancen.

Nachhaltigkeit assoziieren viele vor allem mit Themen wie Plastikreduzierung, dem Kohleausstieg und Elektromobilität. Aber: Welche Bedeutung kommt der Finanz- und Versicherungsindustrie zu?

Die Aufgabe besteht darin, sowohl über das Geschäftsmodell der Lebensversicherung als auch über die Finanzberatung Kunden Orientierung zu ermöglichen. Das Ziel muss zum einen sein, Altersvorsorgeprodukte auf den Markt zu bringen, die ökologisch nachhaltig sind und zum anderen dabei zu helfen, den Mehrwert, den Nachhaltigkeit in der Altersvorsorge haben kann, zu erklären. Das ist nicht sofort für jeden verständlich und daher noch erklärungsbedürftig.
Eine besondere Funktion kommt deshalb natürlich der Finanzberatung zu, für Kunden ein verlässlicher Lotse zu sein. Die Menschen möchten ein selbstbestimmtes Leben führen – im Hinblick auf ihre Finanzen und im Hinblick auf ihre individuelle Nachhaltigkeit. Persönliche Beratung unterstützt sie bei diesem Wunsch. Das zeigt, wie wichtig Finanzberatung ist, um eine ökologisch nachhaltige Gesellschaft zu fördern.

Was die persönliche Beratung angeht, haben junge Menschen besondere Ansprüche. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus, dass 70 Prozent der Neukunden Millennials sind?

Schon seit langem können wir beobachten, dass das klassische Sparbuch bei jungen Menschen mehr und mehr ausgedient hat. Das bestätigt auch eine erst kürzlich durchgeführte Marktstudie unter jungen Leuten der Generationen Y und Z: Die Jüngeren haben eine deutlich höhere Präferenz für Aktien und Investmentfonds als noch die Generation der Babyboomer. Mehr als 40 Prozent von ihnen sehen eine Notwendigkeit darin, die Altersvorsorge aktienbasiert zu gestalten. In der Vergleichsgruppe liegt der Wert bei gerade einmal 27 Prozent.
Eine zweite spannende Entwicklung ist das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der jungen Generation – auch in Ihrer Vorsorge: Die Studie zeigt, dass für knapp die Hälfte der Befragten Nachhaltigkeit beim Abschluss von Finanzanlagen wichtig ist. Junge Menschen denken im Kontext ihrer Altersvorsorge an ökologische Nachhaltigkeit. Wenn sie langfristig anlegen, soll es ressourcenschonend geschehen.
Diesen beiden Bedürfnissen wollen wir durch unsere persönliche Beratung nachkommen und den Menschen so helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Und zur Selbstbestimmung gehört schließlich auch die Frage, wie nachhaltig ich auf dieser Welt leben und meine finanzielle Zukunft gestalten möchte. Deshalb sehe ich aus unserem tiefsten Unternehmenszweck heraus einen Ansatzpunkt dafür, dass wir den Menschen zum Thema Nachhaltigkeit und Vorsorge kompetent und beratend zur Seite stehen und auch als Versicherung Produkte anbieten, die diesen Kriterien gerecht werden.

Baumkronen
Kind mit Gänseblümchen in der Hand

Swiss Life unterhält eine eigene Stiftung. Was steckt hinter diesem Engagement?

Die Stiftung ist aus dem Gedanken heraus entstanden, etwas Gutes zu tun. Wir sind stolz, schon sehr lange Trägerin einer eigenen Stiftung zu sein, die sich für Chancengleichheit und Perspektiven durch Bildung stark macht. Denn Bildung ist für die Entwicklung unserer Gesellschaft, auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit, extrem wichtig.
In unserer Stiftung fördern wir vor allem Projekte, die benachteiligten Kindern Zukunftsperspektiven bieten. Unser großes Ziel ist es, Chancengleichheit für Kinder – egal welchen sozialen Hintergrund sie haben – zu schaffen. Nicht zuletzt auch dadurch, dass wir uns ganz besonders für die Interessen der jungen Menschen einsetzen und unser Beratungsteam den Generationen Y und Z angehört, fühlen wir uns jungen Menschen schon immer sehr verbunden.

Was unternimmt Swiss Life Deutschland darüber hinaus, um der Nachhaltigkeitsverantwortung nachzukommen?

Wir stellen uns bei allen Dingen, die wir heute tun, die Frage: Welchen Beitrag können wir als Unternehmen leisten, um nachhaltiger zu agieren? Auch wenn wir als Branche nicht der größte CO2-Emmittent sind, können wir etwas bewirken – direkt und indirekt. Es steht für uns außer Frage, dass beispielsweise unser Neubau in Hannover ökologisch zertifiziert ist und wir Elektroladestationen von Anfang an mitdenken.
Einen Fokus möchte ich aber auch auf soziale Aspekte unseres Miteinanders als Arbeitgeberin legen. Wir leben eine Kultur des Füreinanders und der Selbstbestimmung. Es ist uns wichtig, unsere Mitarbeitenden in ihrer Entwicklung und Entdeckung ihrer Potenziale zu unterstützen. Denn wir glauben zutiefst daran, dass Menschen, die selbstbestimmt sind, neuen Herausforderungen motiviert und aufgeschlossen gegenüberstehen und damit einen Beitrag leisten, unsere Gesellschaft weiterzubringen. Das gilt insbesondere auch den Herausforderungen des Klimawandels. In unsere Kultur investieren wir viel Zeit und bieten Möglichkeiten, das eigene Berufsleben aktiv und
eigenverantwortlich zu gestalten – mit zahlreichen fachlichen, persönlichen und sozialen Weiterentwicklungsangeboten.

Lassen Sie uns in diesem Zusammenhang auch über Inklusion und Diversität sprechen. Die Finanz- und Versicherungsbranche gilt auf den ersten Blick nicht als besonders divers – welche Maßnahmen unternimmt Swiss Life Deutschland, um Vielfalt zu stärken?
Wir achten grundlegend und vor allem bei der Stellenbesetzung darauf, dass wir eine möglichst diverse Belegschaft haben und versuchen auch konkret neue Wege zu gehen. Zum Beispiel, indem wir moderne Führungskonzepte wie Shared Leadership fördern und pilotieren. Das kann unter anderem dabei helfen, Führung in Teilzeit zu stärken. Ich bin auch froh, dass wir mittlerweile einige Initiativen haben, die sich um dieses gesellschaftlich wichtige Thema drehen. Fest steht aber auch: Wir haben noch einen Weg vor uns und Vielfalt kommt nicht von allein. Dafür werde ich mich persönlich einsetzen.

Abschließend richten wir den Blick nach vorne: Haben Sie für die kommenden Jahre ein Ziel vor Augen?
Es gibt natürlich ein großes, übergeordnetes Ziel: unsere Verpflichtung zum Pariser Klimaschutzabkommen. Als Branche müssen wir einen Beitrag liefern, damit ökologische Nachhaltigkeit im Wirtschaftsleben eine größere Rolle spielt. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kunden uns sehr anrechnen werden, wenn wir nach Kräften dabei helfen die ökologische Nachhaltigkeit in allen Bereichen in Deutschland zu verbessern.

Wir leben Nachhaltigkeit als Arbeitgeberin, in der Gesellschaft, in Bezug auf die Umwelt und in unserer Geschäftstätigkeit

Bildrechte Portrait Jörg Arnold: www.danielegeorge.de