Die neue Studie von Swiss Life Deutschland, der Industriegewerkschaft IGBCE und ChemieRente zeigt erstaunliche Entwicklungen.
Ergebnisse im Überblick
- Studie von Swiss Life Deutschland, der Industriegewerkschaft IGBCE und der Branchenlösung ChemieRente offenbart steigende Belastungen im Zuge des strukturellen Wandels wichtiger Schlüsselindustrien.
- Eine Mehrheit von 54 Prozent der Beschäftigten rechnet mit einem höheren persönlichen Druck am Arbeitsplatz, insbesondere in der Produktion.
- 44 Prozent der Industrie-Beschäftigten fühlen sich schon heute durch den aktuellen Wandel physisch oder psychisch mehrbelastet.
- Kosteneinsparungen und Stellenkürzungen sind die größten Stressoren am Arbeitsplatz.
- Einen Jobverlust durch KI-Automatisierung in den nächsten zehn Jahren fürchtet vor allem die Gen Z.
Geopolitische Krisen, globaler Wettbewerbsdruck, Standortsorgen: Der strukturelle Wandel deutscher Schlüsselindustrien erreicht die Belegschaften. Vor allem Sparprogramme und Personalabbau sind laut einer aktuellen YouGov-Studie im Auftrag von Swiss Life Deutschland, der Industriegewerkschaft IGBCE und der Branchenlösung ChemieRente die größten Stressfaktoren im Arbeitsalltag. Für die Erhebung im Juni 2026 befragte das Meinungsforschungsinstitut 1.153 Beschäftigte in Deutschland aus den Industrien Chemie, Energie, Pharma, Bergbau, Umwelttechnik, Wasserwirtschaft, Papier, Keramik, Kunststoff, Kautschuk & Gummi, Leder, Glas & Entsorgung. Das Ergebnis: Der Druck ist hoch. Und steigt weiter, wie eine Mehrheit glaubt. Dabei offenbart die Studie erstaunliche Risse: Die Produktion meldet deutlich höhere Belastungssprünge als die Verwaltung, während die Gen Z mehr als jede andere Generation unter KI-Ängsten leidet.
Industrie im Stresstest: 54 Prozent erwarten mehr Druck in Zukunft
Der Industriestandort Deutschland durchlebt schwere Zeiten. Entspannung scheint zunächst nicht in Sicht: Die Mehrheit der befragten Beschäftigten geht davon aus, dass der Transformationsdruck weiter zunimmt. Entsprechend erwartet mehr als jeder Zweite (54 Prozent) steigende und ein Drittel (33 Prozent) teilweise steigende Anforderungen an die persönliche Flexibilität und Belastbarkeit. Nur 10 Prozent sehen diese eher oder überhaupt nicht auf sich zukommen. Danach befragt, welche Entwicklung mit Blick auf ihre Branche die größten Sorgen bereitet, nennt fast die Hälfte (49 Prozent) der Beschäftigten die anhaltend hohen Kosten für zum Beispiel Energie und Rohstoffe. Die Abwanderung der Industrie folgt auf Platz zwei und besorgt rund ein Drittel (32 Prozent) der Befragten. Überbordende Bürokratie und langsame Genehmigungsprozesse identifizieren die Teilnehmer mit 30 Prozent als dritthäufigste Ursache für gedämpfte Zukunftserwartungen.
Psychische und physische Belastung im letzten Jahr spürbar gestiegen
Die kriselnde deutsche Konjunktur zwingt Industrieunternehmen zum Handeln. Die Belegschaften spüren die Folgen. So geben 44 Prozent der Befragten an, im letzten Jahr durch den Wandel eine erhöhte physische oder psychische Belastung zu verspüren, auf ein knappes Drittel (29 Prozent) trifft das immerhin teilweise zu, während nur rund jeder Vierte (26 Prozent) keine Mehrbelastung registriert. Als Ursache nennen die stärker belasteten Beschäftigten vor allem drei Gründe: Zusätzliche Arbeit durch Kosteneinsparungen und Effizienzprogramme (49 Prozent) sowie Personalabbau oder nicht nachbesetzte Stellen (48 Prozent) sorgen bei fast der Hälfte für Mehrbelastung. Häufige Umstrukturierungen und kurzfristige Prozessänderungen (40 Prozent) sind dritthäufigste Stressursache und spiegeln den beschleunigten Anpassungsdruck in den Industrieunternehmen wider. Dabei zeigen sich erstaunliche Unterschiede zwischen sogenannten Blue Collar-Stellen in der Produktion und dem White Collar-Bereich in Verwaltung, Außendienst und Entwicklung oder Labor. Mit 59 Prozent sind signifikant mehr Beschäftigte in der Produktion von mentalen oder körperlichen Mehrbelastungen betroffen als White Collar-Beschäftigte (37 Prozent). Aber: In Panik verfallen Industriebeschäftigte ob der schwierigen Lage nicht. Fast jeder Zweite (45 Prozent) gibt sich mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz für die kommenden 5 Jahre optimistisch.
Generation Z fürchtet KI-Konkurrenz – und leidet besonders unter Wandel
Die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) stellen ganze Sektoren auf den Prüfstand – und beschäftigt auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der in die Studie miteinbezogenen Industriebranchen. Allerdings altersabhängig in höchst unterschiedlichem Ausmaß. Während übergreifend nur 25 Prozent der Befragten befürchten, in den nächsten 10 Jahren durch KI-Automatisierung ersetzt zu werden, treibt die Angst vor KI-Konkurrenz mehr als ein Drittel (37 Prozent) der unter 30-Jährigen um. Zum Vergleich: Nur 17 Prozent der Gen X (Jahrgang 1965 – 1980) sehen ein sehr oder eher hohes KI-Risiko für ihre Tätigkeit. Auch generell leidet die jüngste Generation deutlich mehr unter der industriellen Transformation in Deutschland: Rund 6 von 10 Gen Z-Befragten (59 Prozent) stimmen der Aussage zu, dass der aktuelle Wandel in der Branche die psychische oder physische Belastung spürbar erhöht hat – bei den Millennials und der Gen X sind es nur 38 Prozent und 41 Prozent.
„Wir müssen damit rechnen, dass sich Berufsbilder verändern und Tätigkeiten wegfallen, wo künstliche Intelligenz bestimmte Aufgaben rationaler erledigen kann. Die entscheidende Frage ist: Mit welcher Geschwindigkeit und in welcher Dimension passiert das? Das muss gestaltbar bleiben“, macht Vassiliadis deutlich. Auf keinen Fall dürfe die oder der Einzelne mit der Entwicklung allein gelassen werden. „Rationalisierung durch KI kann und darf nicht einfach Beschäftigungsabbau bedeuten. Nur weil KI eine Aufgabe schneller erledigt, heißt das nicht: Die Leute sind raus. Im Gegenteil: Aus unserer Sicht werden der Mensch und das, was er kann, kostbarer. Deshalb müssen wir ihn stärker in die Lage versetzen, das zu tun, was nur der Mensch kann – und was sinnvollerweise nur der Mensch tun sollte.“
Hohes Sicherheitsbedürfnis trifft auf löchriges Vorsorgewissen
Die schwierige wirtschaftliche Lage, Zukunftssorgen und der steigende Druck führen bei den Industriebeschäftigten zu einem stark ausgeprägten Risikobewusstsein: Mehr als 7 von 10 Befragten (72 Prozent) schätzen die Bedeutung von Vorsorge und Absicherung (z. B. die Absicherung der eigenen Arbeitskraft) in der aktuellen Zeit des Wandels als wichtig ein, nur 5 Prozent sehen (eher) keinen Bedarf. Doch zwischen Sicherheitsbedürfnis und Kenntnissen über tatsächliche Absicherungsmöglichkeiten klafft eine erhebliche Lücke: Mehr als die Hälfte aller Befragten (56 Prozent) fühlt sich nur teilweise oder schlechter über die Absicherungsmöglichkeiten im Bereich Arbeitskraft informiert. Insgesamt verfügen 54 Prozent über eine Absicherung der eigenen Arbeitskraft, was beinahe jeden zweiten Beschäftigten erheblichen Risiken im Falle einer Berufsunfähigkeit aussetzt.
Über die Studie
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 11. und 29.06.2026 insgesamt 1.153 Beschäftigte aus den Industriebereichen Chemie, Energie, Pharma, Bergbau, Umwelttechnik, Wasserwirtschaft, Papier, Keramik, Kunststoff, Kautschuk & Gummi, Leder, Glas & Entsorgung befragt.
Links & Downloads
- Foto von Dirk von der Crone, CEO Swiss Life Deutschland
- Foto von Michael Vassiliadis, Vorsitzender IGBCE
- Pressemeldung für Publikumsmedien: Druck auf Belegschaften wächst: Mehr als jeder zweite Industrie-Beschäftigte erwartet härtere Zeiten
- Pressemeldung für Fachmedien: Trendwende in der AKS: Grundfähigkeiten in der Gunst der Industrie-Beschäftigten gleichauf mit der BU
- Factsheet der Studie
- Social-Media-Karusselpost zur Studie - 01
- Social-Media-Karusselpost zur Studie - 02
- Social-Media-Karusselpost zur Studie - 03
- Social-Media-Karusselpost zur Studie - 04
- Social-Media-Karusselpost zur Studie - 05
- Social-Media-Karusselpost zur Studie - 06
- Social-Media-Karusselpost zur Studie - 07
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