Für viele Frauen klingt die Wahl, im Beruf durchzustarten oder eine Familie zu gründen, nach einer Entscheidung, die man treffen muss. Doch für Corinna Moldenhauer, ehemalige Trainerin einer Erstliga-Mädchenfußballmannschaft, Teammanagerin für Swiss Life Select und frischgebackene Mutter, lautet die Antwort auf diese Frage: beides! Disziplin, Durchhaltevermögen und Teamgeist hat sie schon im Sport gelernt – heute helfen ihr genau diese Stärken dabei, Familie und Beruf erfolgreich zu verbinden.

Corinna Moldenhauer im Interview

Sie waren aktiv im Fußball tätig. Was hat Sie an diesem Sport so gereizt?

Es ist ein schneller Sport, man spielt im Team und erzielt gemeinsam Erfolge. In der Schule spielte ich immer mit den Jungs Fußball. Mein Sportlehrer erkannte wohl ein kleines Talent in mir und vermittelte mich an jemanden im Ort, der Mädchen trainierte. Irgendwann stellte ich fest, dass mir das Trainieren der Spielerinnen noch mehr lag als das Spielen selbst, sodass ich zuletzt die U13 beim 1. FC Köln coachte. Vier von den Mädels spielen heute in der Bundesliga, worauf ich wirklich stolz bin. In dieser Zeit wurde auch der Grundstein für meine Führungskarriere gelegt, denn für mich war klar, dass ich nur mit der zeitraubenden Trainerinnentätigkeit aufhöre, wenn ich meine eigene Elf im Büro aufbauen darf.

Vom Fußballplatz ins Büro – wie kam es konkret zu Ihrem Einstieg in die Finanzwelt?

Ebenfalls durch einen Kontakt beim Fußball. Berufsbegleitend studierte ich BWL und hatte als Diplomarbeit das Thema „Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Altersvorsorge“. So ergab sich das einfach. Vor allem das Drumherum des Jobs, die Menschen, das Zusammenarbeiten und die flexiblen Arbeitszeiten gefielen mir richtig gut.

Corinna Moldenhauer vor dem Laptop
Corinna Moldenhauer vor dem Laptop

Immer gerne im Einsatz - digital und persönlich

Viele Frauen stehen irgendwann vor der Entscheidung: Kind oder Karriere. Wie war das für Sie?

Eine sehr gute Frage! Wenn man mich das vor sieben Jahren gefragt hätte, hätte ich geantwortet: Das ist beruflicher Selbstmord!  Heute ist die Lage einfach anders. Ich habe einen großartigen Partner an meiner Seite und ein gefestigtes Team. Zudem erhielt ich während meiner Elternzeit tatkräftige Unterstützung durch meine Kollegin und Finanzberaterin Melanie.   

Und ganz ehrlich – ich wollte nie vor dieser Wahl stehen. Meine Hoffnung war, dass beides geht.  Und das hat sich bestätigt. Als Finanzberaterin bin ich flexibel, bestimme meine Termine selbst, arbeite digital und kann den Tag so strukturieren, dass ich für mein Kind da bin, ohne beruflich zurückzustecken. 

 

Sie sprechen von Flexibilität und Struktur – können Sie ein Beispiel geben, wie das in Ihrem Alltag aussieht?

Ich entscheide selbst, wann ich arbeite. Vormittags Termine, wenn mein Kind betreut ist, abends digitale Gespräche von zu Hause aus. Gleichzeitig trage ich Verantwortung für meine Mandantinnen und Mandanten sowie für mein Team. Diese Mischung erinnert mich an den Fußball: Freiheit heißt, eigene Entscheidungen zu treffen, Verantwortung bedeutet, fürs Team da zu sein. 

Neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben Sie auch eine Führungsrolle übernommen. War der Weg dorthin einfach?

Der Start schon. Mit knapp 25 startete ich meine Führungskarriere und war nach bereits 1 ½ Jahren Teamleiterin. Aber natürlich gab es auch Hindernisse und Hürden. Mal stimmten die Zahlen nicht, dann war die Teamgröße ungenügend. Doch jetzt bin ich eine von wenigen Frauen deutschlandweit in dieser Position. Das macht mich schon stolz. 

Und wie wirkt sich die neue Rolle als Mutter auf Ihre Führungsarbeit aus?

Ich setze klarer Prioritäten, kommuniziere direkter und habe mehr Geduld. Das stärkt meine Rolle als Führungskraft. Schon als Trainerin habe ich gelernt, Ziele zu setzen, Rückschläge auszuhalten und andere zu motivieren. Genau das prägt auch meine Führungsarbeit heute. 

Foto von 10 Frauen
Foto von 10 Frauen

Frauenpower! Linke Seite von vorne: Simone Emmerz, Corinna Moldenhauer, Lena Ahrens, Birgit Schwammborn. Rechte Seite von vorne: Nicole Weglage, Katrin Denker, Sandra Balke, Kerstin Denter, Michelle Gerhards, Victoria van Dormik

Sie erwähnen Flexibilität und Eigenverantwortung – was macht diesen Beruf speziell für Frauen so attraktiv?

Corinna Moldenhauer mit ihrem Kind auf dem Arm und vor dem Laptop
Corinna Moldenhauer mit ihrem Kind auf dem Arm und vor dem Laptop

Multitasking!

Jede Frau kann selbst entscheiden, wie viel sie arbeiten möchte – je nach Lebenssituation. Ich habe noch im Wochenbett meinen Podcast zu Frauen, Führung und Finanzen gegründet und bin nur acht Wochen nach der Geburt an den Schreibtisch zurückgekehrt. In meiner Krabbelgruppe ist noch keine der Frauen am Arbeiten und sie fragen mich immer, wie ich das schaffe. Ja, gutes Timing, ein toller Lebenspartner an der Seite und ein zuverlässiges Team machen es möglich. Und ich bin nicht die Einzige – ich habe ja einige Mütter im Team. Eine Kollegin beispielsweise ist inzwischen bAV-Spezialistin, hat zwei Kinder und ist sehr effizient in ihrem Beruf. Sie ist gut organisiert, erzielt beeindruckende Ergebnisse und hat trotzdem ausreichend Zeit für ihre Kids.

Das Beste an diesem Beruf ist: Man leistet echten Mehrwert, weil man Menschen in entscheidenden Lebensfragen finanziell begleitet. Für mich ist das wie ein gutes Training – man wächst an jeder neuen Herausforderung.  

Woher nehmen Sie die Energie, all das zu stemmen?

Meine Familie ist meine wichtigste Kraftquelle. Ich will zeigen, dass Träume auch mit Kind nicht enden. Und ich möchte anderen Frauen Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen. Für mich ist der Beruf der Finanzberaterin die perfekte Brücke zwischen Karriere und Familie – genau das, was ich gesucht habe. Und auch aus meiner beruflichen “Familie” ziehe ich viel Kraft. Wenn ich sehe, was aus einigen meiner Kolleginnen und Kollegen geworden ist, bin ich stolz und dankbar, dass ich ihre berufliche Entwicklung begleiten durfte. Das kann und möchte ich nicht missen.  

In Köln sind Sie eine von zwei Frauen in Ihrer Position. Was würden Sie anderen Frauen raten, die in der Finanzbranche Karriere machen möchten?

Lasst euch nicht einreden, dass Finanzberatung ein Männerberuf ist! Gerade als Frau bringt man oft Empathie und ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Mandantinnen und Mandanten mit. Traut euch! Die Finanzberatung bietet enorme Chancen – gerade für Frauen, die Familie und Beruf vereinbaren möchten. Der Einstieg mag herausfordernd sein, aber die Selbstbestimmtheit und die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen, sind unglaublich erfüllend. Natürlich muss man sich durchbeißen können – aber das können wir Frauen ja besonders gut (lacht). 

Und das Beste: Man kann sein Arbeitsmodell immer wieder an die eigene Lebenssituation anpassen. Ob als junge Mutter, in der Familienphase oder wenn die Kinder älter werden – dieser Beruf wächst mit.  

Mein Motto: Sei du selbst und bleib du selbst. Und wenn du nicht allein bleiben möchtest, solltest du dir ein passendes Team aufbauen. Suche dir Menschen, die du gerne bei dir hättest, finde Menschen, die Vorbilder für dich sind, damit du dich austauschen kannst.  

Und wie sehen Ihre eigenen nächsten Schritte aus – was ist Ihre berufliche Vision?

Corinna Moldenhauer und ihre Chef Thomas Olschewski

Die ist klar definiert: Zwei Stufen kann ich im Kölnturm (Bürokomplex in Köln, Anm. d. Red.) noch erreichen, und meine Vision heißt nach wie vor: "Eine eigene Etage – mit Blick auf die Domspitzen." Mein Ziel war immer, eine Direktion zu betreuen. Mit Blick auf den neuen Karriereplan möchte ich Managerin sein, bis dieser eingeführt wird. Und dann kommt der nächste Schritt zur Direktorin. Das Spiel muss durchgespielt werden.

Bild: Corinna Moldenhauer und ihr Chef Thomas Olschewski

Und wenn Sie einmal nicht arbeiten – wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich schaue natürlich immer noch gerne beim 1. FC Köln vorbei. Aber ich treffe mich auch gerne mit Freunden.  Und wir machen natürlich viel mit der Familie. Meine Schwester hat zwei kleine Jungs, das passt perfekt. Und wir wohnen in einer einzigartigen Hausgemeinschaft mit drei Parteien und drei Generationen.  Unser Zusammenleben gestaltet sich wie eine große WG mit abschließbaren Türen. Wir fahren zusammen in den Urlaub, grillen gemeinsam im Garten und meinem Sohn wird beigebracht, wie Radieschen angepflanzt werden.  

Liebe Frau Moldenhauer, herzlichen Dank für den spannenden Einblick. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und alles Gute für Ihre Familie!

Kurzbiografie

Corinna Moldenhauer, 40, ist seit 2010 als Finanzberaterin und seit 2020 als Teammanagerin für Swiss Life Select in der Kanzlei in Köln tätig. Gerade hat sie ihr 15-jähriges Firmenjubiläum gehabt. Hier gelangen Sie zur Homepage von Corinna Moldenhauer. 

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