Seit Januar 2024 verantwortet Maximilian Heiler neben seiner Aufgabe als Leiter Kommunikation die Stiftung für Chancenreichtum und Zukunft. Swiss Life unterstützt mit einer eigenen Mitmachstiftung der Mitarbeitenden und Vertriebspartner/-innen wohltätige Organisationen, die vorrangig die Chancengerechtigkeit und Bildungsperspektiven von jungen Menschen stärken. Ein wichtiges Projekt darunter ist die KinderHelden gGmbH. Ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren begleiten dort Kinder mit erschwerten Startbedingungen auf ihrem Lebens- und Bildungsweg. Hier schreibt Maximilian Heiler über seinen Besuch vor Ort in Mannheim.

Ein persönlicher Bericht

Hauptbahnhof München 2

Es ist Mittwoch früh, kurz nach 7 Uhr. Heute steht mein Kennenlernbesuch bei den KinderHelden in Mannheim an. Das strategische Förderprojekt unserer Swiss Life-Stiftung hat dort nämlich neben Stuttgart einen ihrer größten Sitze. Ich wollte mir vor Ort ein Bild machen, wie sie arbeiten und wie sie dabei vorgehen, Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen. Wollte erfahren, wo die größten Herausforderungen liegen und was sie von uns womöglich benötigen. Ein Termin, auf den ich mich schon lange freue. Doch die Anreise begann beschwerlich. Gezeichnet von den großen Unwettern und der Flut, die weite Teile in Bayern und Baden-Württemberg wenige Tage zuvor heimsuchten, quälte und kämpfte sich der ICE nur langsam und mit deutlicher Verspätung nach Mannheim vor. 70 Minuten standen wir zwischen Augsburg und Ulm. Gestresst und etwas von der Bahn genervt und ehrlich gesagt auch entnervt, erreichten wir – meine Kollegin Josefine aus Hannover und ich – Mannheim.

Wir kamen an – Treffpunkt ist die Mozartgrundschule. Es ist mittlerweile kurz vor 12 Uhr und schon weit vor dem Schuleingang hören wir Kindergeschrei vom Pausenhof, einige toben umher, andere flitzen auf ihrem Tretroller, andere essen in der Ecke still und leise ihr Pausenbrot, ihr Mittagessen. Mir fällt auf, hier und auf den Straßen drumherum ist der Anteil von Kindern und Mitbürgerinnen und -bürgern mit Migrationshintergrund höher als anderswo. Wir erfahren später, wie abhängig die Bildungschancen von Stadtvierteln in Mannheim sind und wie ausschlaggebend es ist, in welchem Umfeld man aufwächst. Nichts Neues eigentlich und dennoch macht es traurig.

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Diejenigen, die mitmachen, sagen dann immer sehr schnell, es war eine der besten Entscheidungen auch für sie persönlich.

Wir werden abgeholt von Linn Schöllhorn, sie ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der KinderHelden gGmbH und so etwas wie die große Netzwerkerin und gute Seele, die die Initiative, die wir seit dem Jahr 2019 als strategisches Förderprojekt unterstützen, bereits seit zehn Jahren vorantreibt. Neben Swiss Life unterstützen auch SAP und Bosch und daneben eine Reihe an Projektpartnern wie LBBW und BASF. Sie sind in der Region verwurzelt, beschäftigen mehrere tausende Angestellte. Das hilft, sagt mir Linn später beim Mittagessen. Hier in Mannheim allein werden jährlich 350 Kinder von ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren begleitet, deutschlandweit sind es über 1.300 und der Bedarf ist hoch. Gerade seit Corona sinkt die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement in Deutschland und dabei ist es so notwendig wie nie zuvor, dachte ich mir. Und diesen Negativtrend merken auch Initiativen wie die KinderHelden. Deshalb werben sie für ihre Sache an Hochschulen, machen Guerilla-Marketing mit Plakataktionen auf den Straßen und informieren auf Social Media, sie rühren aber auch die Werbetrommel bei ihren Partnerunternehmen – dem Heldenkreis, wie sie es nennen – um Freiwillige zu finden, die einmal pro Woche rund eine Stunde widmen, ein Kind auf ihrem Lebens- und Bildungsweg zu begleiten. „Entscheidend sind die Freiwilligen. Sie zu erreichen und zu begeistern“, sagt Linn. „Wir werben viel an den Unis und probieren immer wieder Neues aus. Diejenigen, die mitmachen, sagen dann immer sehr schnell, es war eine der besten Entscheidungen auch für sie persönlich.“

Wo der Zufall entscheidet

Es entstehen dort Win-Win-Situationen mit Sinn, aber viele haben Respekt vor dem Zeitaufwand. Ich kann das verstehen. Bei den KinderHelden empfehlen am Ende aber sogar 95 Prozent die Initiative und die Tandem-Arbeit weiter. Ich wollte wissen, was ihre Motivation ist. Einige der Mentorinnen aus Mannheim und Heidelberg, die diese Zeit schließlich aufbringen, treffen wir gleich mit ihren Mentees im sogenannten Mozartsaal der Grundschule. Der Geruch in der Schule, die Bilder an den Wänden und der Gong erinnern mich selbst an meine Schulzeit. Als junger Bub aus einem zugegeben privilegierten Zuhause ist aber doch vieles anders. Wer wie ich wohlbehütet aufwächst, ist sich nicht immer bewusst, dass die Türen und damit auch viele Chance per se offenstehen und erlebt nicht am eigenen Leib, wie es ist, in einer anderen, fremden Kultur aufzuwachsen und Menschen um sich zu haben, die man vielleicht gar nicht versteht. Hier in der Mannheimer Innenstadt gehört das zur Normalität vieler. Und dort, wo Zufall bestimmt, wie und wo man aufwächst, da kommen die KinderHelden ins Spiel und helfen buchstäblich beim Türöffnen.

Zurück in der Mozartgrundschule öffnet sich auch uns die Tür ins Zimmer. Es warten die Kinder bereits und der kleine Abu läuft uns entgegen, er gibt mir die Hand und hat bereits mein Namensschild gebastelt und bemalt. Die Kinder lachen, winken, sind gut drauf. Ich frage mich, ob ich jemals in meiner Grundschulzeit wohl auch gern länger blieb als nötig, so wie diese zehn Kids gerade. Josefine und ich fühlen uns gleich wohl und integriert, wenig später sitzen wir zusammen im Stuhlkreis. Und obwohl wir uns nicht kennen, freuen sich alle auf unseren Besuch. Kinder sind unvoreingenommen, fröhlich und von Aufregung ist keine Spur. Mit dabei sind ihre Mentorinnen, die sich zum Teil frei genommen haben, um den Vormittag mit uns zu verbringen. Sie wirken auf mich wie ihre großen Schwestern, vertraute Freundinnen und doch auch Vorbilder, zu denen die Kleinen aber gern und irgendwie doch auf Augenhöhe aufblicken. Sie sind in der Nähe, machen mit, drängen sich aber nicht auf. Wir beginnen mit einer Vorstellungsrunde und alle sollen sagen, welche Sprache sie sprechen können. Ich bin beeindruckt von der Fülle an Sprachen, die die Kids draufhaben und denke mir insgeheim, was für ein tolles Potenzial. Und doch: Was hilft es ihnen im Moment, wenn man in unseren Grundschulen mit Englisch nicht weit kommt? Viele der Kinder sprechen drei bis vier Sprachen und diese zum Teil fließend.

Wir spielen verschiedene Spiele und ich erfahre, dass sich die Kinder untereinander gar nicht kennen und trotzdem wirken sie auf mich, als verbinde sie etwas. Die kleine Suheyla aus Somalia erzählt mir stolz, dass sie kürzlich gefragt wurde, woher sie ihre Kinderheldin denn habe, eine Freundin von ihr hätte nämlich auch gern eine. Das kann ich gut verstehen, denn ihre Mentorin Khadija, sie ist Mathe-Doktorandin an der Uni Mannheim, trifft sich einmal pro Woche mit ihr, geht in die Kinderbibliothek und anschließend Bubble-Tea trinken, besucht Afro-Dancekurse und sie unterhalten sich ganz oft einfach wie gute Freundinnen. Suheyla wirkt fröhlich und ich bin beeindruckt von ihrer Offenheit, es gibt keine Scheu.

Win-Win mit Sinn: Mentoring ist keine Einbahnstraße. Alle profitieren davon

Später darf ich die Mentorinnen und das KinderHelden-Team aus Mannheim zum Mittagessen einladen. Sie berichten von ihrem Weg zu den KinderHelden und was ihre Motivation ist. Da ist die junge Grundschulpädagogik-Studentin zum Beispiel, die neben dem theoretischen Studium damit echtes Praxiswissen aufbauen möchte. Ich sitze gegenüber von Michelle, sie ist BWL-Studentin, und sie freut sich über die Abwechslung und Khadija, die Mathe-Promotionsstudentin von gerade eben, möchte einfach etwas zurückgeben und berichtet, wie viel Spaß ihr das Mentoring macht. Kleine Pausen mit viel Wirkung also. Mir bestätigt sich dadurch aber auch: Die Wege dorthin sind vielfältig und das Mentoring ist eben keine Einbahnstraße. Was alle aber eint, ist der Sinn ihrer Tätigkeit. Sie schöpfen daraus Positivität und bringen sich ein. „Verantwortung zu übernehmen ist etwas Wunderbares, das Kraft gibt“, so die einhellige Meinung.

KinderHelden_Mentorinnen-Treffen
KinderHelden_Mentorinnen-Treffen

Zusammen beim Mittagessen mit Mentorinnen aus Mannheim und Heidelberg

Mir fällt auf, alle haben ein Lächeln im Gesicht, wenn sie von ihren Anekdoten ihrer Schützlinge sprechen. Ein Lächeln, das ansteckt. Sie berichten mir auch, wie viel sie durch das Mentoring selbst lernen. Es geht um die Entwicklung von Empathie und der Fähigkeit, reflektierter, sensibler zu sein und aufmerksamer zu werden über das Verhalten ihrer Mitmenschen. Stärken also, die über das Mentoring hinaus Wirkung erzielen können im Freundeskreis, der Familie oder eben im Beruf. Wer beispielsweise eine Führungskarriere in einem Unternehmen anstrebt, für die oder den kann ein solches Mentoring helfen, sich darauf besser vorzubereiten. Kinder spiegeln das eigene Verhalten nämlich sehr schnell, wodurch man auch die eigene Wirkung deutlich besser zu regulieren lernt.

„Es ist mein Anspruch, dass ich nicht erst in einem CRM die Historie raussuchen muss“

Lernen und Bildung – das sind ohnehin die wichtigsten Themen bei den KinderHelden, wie wir später im Gespräch mit Linn erfahren. Ihr Büro liegt zentral in der Mannheimer Innenstadt, wo vor Corona noch alle Kennenlerngespräche stattgefunden haben. Heute ist vieles digitalisiert und dennoch treffen sich die Mitarbeitenden sehr häufig dort vor Ort. Hier menschelt es buchstäblich von Anfang an. Am Eingang begegnet uns gleich eine Fotowand mit Polaroids aller derzeit aktiven Tandems aus der baden-württembergischen Stadt. Katharina, die Mentorenbetreuerin, kennt alle beim Namen und erzählt uns ihre kleinen Geschichten. Sie sagt von sich, „es ist mein Anspruch, dass ich nicht erst in einem CRM die Historie raussuchen muss.“ Es geht ohnehin sehr persönlich zu hier vor Ort, aber auch in den Tandems. Diese Partnerschaften zwischen Mentee und Mentor/-in haben alle zum Ziel, Bildungsperspektiven zu stärken und dadurch Teilhabe zu ermöglichen. Die Experten bei den KinderHelden helfen dabei mit konkreten Angeboten. Sie bieten Webinare und Workshops an, aber auch ganz konkrete Utensilien, die bei den Treffen zum Einsatz kommen. Stolz präsentiert Linn vier Lerntagebücher. Das sind kleine Hefte, die die Mentorinnen und Mentoren und ihre Schützlinge durchgehen, spielerisch und doch sehr strukturiert und wissenschaftlich begründet. Es geht um nicht weniger als Mathe, Lesen, Lernen und persönliche Stärken. „Wir möchten Stärken stärken und den jungen Kindern auch Selbstbewusstsein geben und sie motivieren, sich ihren eigenen Stärken bewusst zu werden“, sagt Linn. Diese Bücher und das strukturierte Vorgehen mit ihren Mentorinnen und Mentoren helfen nachweislich dabei, dass die Kinder einen positiven Weg einschlagen in ihrem Leben und neben dem fachlichen Können auch echtes Verständnis entsteht. Wer von Mentorinnen und Mentoren begleitet wird, ist besser integriert, hat bessere Noten und ist in der Lage, Türen zu erkennen und diese selbst zu öffnen. Das hat auch eine Studie kürzlich bewiesen, die genauso wie die Lernhilfe auch mit Hilfe der Swiss Life-Stiftung finanziert wurde.

KinderHelden_Lerntagebücher
KinderHelden_Lerntagebücher

Lerntagebücher helfen bei der Entwicklung, sie wurden von Swiss Life finanziert

Swiss Life fördert so, damit nachhaltig Wirkung entstehen kann

Unsere Stiftung fördert die KinderHelden vor allem strukturell und sorgt für die notwendige Infrastruktur. Es geht nämlich darum, langfristig etwas aufzubauen und auch die Gelder unserer Spenderinnen und Spender bei Swiss Life, Swiss Life Select, HORBACH und ProVentus sinnvoll einzusetzen, damit sie Wirkung erzielen. Wir finanzieren die Rahmenbedingungen, damit Projekte darin dauerhaft wirken können. Bei den KinderHelden beispielsweise die Standortbetreuung in München und Hannover oder eben wissenschaftliche Studien und Lernhilfen, so bringen wir das wichtige Thema der Digitalisierung weiter voran. Zwischen dem Auftrag der KinderHelden und dem der Swiss Life-Stiftung gibt es eine große Schnittmenge, wie mir eindrücklich bewusst wird. Wir möchten zu mehr Chancengleichheit beitragen, Selbstbestimmung auch da ermöglichen, wo gläserne Decken warten. Was mich ganz besonders freut und auch stolz macht, ist, wie gut Linn und ihr Team über das Stiftungsteam bei uns und unsere Arbeit erzählen. Ich merke, auch dort ist man stolz auf uns.

Es braucht einfach die Menschen

Neben der finanziellen Förderung steht und fällt aber alles mit dem Engagement der Menschen – es braucht Menschen, die sich einsetzen. Als Mentorin oder Mentor kann man sich ganz einfach bewerben. Es folgt dann aber auch ein klarer Auswahlprozess, bei dem geprüft wird, ob es passt. Und das ist wichtig, denn mit einer solchen Tätigkeit geht auch Verantwortung einher. Erst dann folgt ein Matching und es kommt zum ersten Kennenlernen zwischen Mentor/-in und Mentee im Beisein von Teammitgliedern der KinderHelden. Danach geht alles seinen Weg. Dabei gilt: Mädchen werden immer von Frauen unterstützt, bei Jungs können sowohl weibliche Mentorinnen als auch männliche Mentoren zum Einsatz kommen. Die KinderHelden achten dabei darauf, dass die Lebensbedingungen, Ziele und Voraussetzungen zueinander passen. Es geht um die Frage, welcher Mentor am besten passt, das Kind zu unterstützen. Dabei gehen Linn und ihr Team sehr sensibel und bewusst vor und sind stolz, auf so viele zufriedene Tandems schon zurückzublicken. Ein Tandem existiert sogar seit mittlerweile 17 Jahren. Zu keiner Zeit während des Mentorings ist man allein, immer steht das Fachpersonal der KinderHelden mit Rat und Tat zur Verfügung. Sie antworten innerhalb kurzer Zeit, habe ich mir von einer Mentorin vergewissern lassen.

Der Besuch in Mannheim endet für uns am Nachmittag, die Sonne scheint. Ich bin beseelt davon, wie viel Engagement, Herzblut und positive Wirkung ich erleben durfte. Der Termin zählt für mich zu den schönsten meiner beruflichen Laufbahn. Und eines war spürbar: Ehrenamt ist heute wichtiger denn je. Ich trete meine Heimreise im Zug wieder an. Der Ärger von Verspätungen ist längst verflogen und zugegeben auch relativiert, es gibt Wichtigeres. Ich fahre heim und bin mir sicher: Es gibt noch mehr KinderHelden da draußen und hier bei uns. Wir müssen sie finden.

Kurzbiografie

Maximilian Heiler leitet seit 2018 die Kommunikation bei Swiss Life Deutschland, seit Januar 2024 ist er auch für die Unternehmensstiftung zuständig. Gemeinsam mit dem Team werden dort Spenderinnen und Spender gewonnen und wichtige Projekte gefördert. Es geht vorrangig um die Stärkung von Bildungsperspektiven und der Förderung von Chancengerechtigkeit.

Linn Schöllhorn ist Co-Geschäftsführerin der KinderHelden gGmbH. Sie begleitet die Geschicke der Initiative seit nunmehr zehn Jahren.

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