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«Wir werden so lange leben wie niemand zuvor»

Die Generation der Millennials hat den Ruf, unpolitisch zu sein und materialistisch zu denken. Doch vielfach engagieren sie sich politisch und gesellschaftlich stark, sei es im Beruf oder in der Freizeit. Warum engagieren sie sich für die Gesellschaft? Was wollen sie erreichen? Wie mobilisieren sie ihre Generation? Wir haben ein Interview mit Kai Whittaker, einem der jüngsten Mitglieder des Deutschen Bundestages, geführt und ihn zu seinen Beweggründen befragt.

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Kai Whittaker, Mitglied des deutschen Bundestages (CDU).

1. Warum engagieren Sie sich in der Politik?
Politik bestimmt unser tägliches Leben, ob wir es wollen oder nicht. Das fängt morgens beim Lichtanmachen mit der Frage an, ob Strom da ist und hört noch lange nicht damit auf, ob die Straße, die Sie zur Arbeit befahren, im guten Zustand ist. Man kann sich für Politik nicht interessieren, entkommen kann man ihr nicht. Ich hingegen bin jemand, der lieber mitentscheidet, als mir Entscheidungen vorsetzen zu lassen. Deshalb habe ich angefangen, Politik zu machen.

2. Von Ihrer Generation heißt es oft, ihr sei die finanzielle Sicherheit wichtiger als politisches Engagement. Lässt sie sich überhaupt mobilisieren?
Diesen Eindruck kann man gelegentlich gewinnen. Aber wir merken doch, dass wir durch verschiedene Ereignisse der letzten Jahre so politisiert sind wie nie. Die Menschen erkennen, dass es sehr wohl auf ihre Meinung, ihr Engagement und ihre Stimme ankommt. Sobald es konkret um die eigene Zukunft geht, sind die Menschen für Politik zu begeistern, auch für Parteien.

3. Welches sind die drei größten Probleme für die jüngeren Generationen in Ihrem Land?
Für die junge Generation ist es deutlich schwerer geworden, Vermögen aufzubauen. Das ist aber zentraler Teil des Aufstiegsversprechens in unserem Land. Des Weiteren macht mir der demografische Wandel Sorge. Wir unterschätzen die finanziellen Belastungen, die auf unserer Generation liegen werden. Und zu guter Letzt tut sich meine Generation etwas schwer, sich selbstständig zu machen und neue Ideen auszuprobieren. Mir ist da zu viel Sicherheitsdenken in den Köpfen. 

«Wir unterschätzen die finanziellen Belastungen, die auf unserer Generation liegen werden.»

4. Und welches die drei größten Chancen? 
Durch die Digitalisierung könnten wir zum einen die Wirtschaft komplett umkrempeln und viele Probleme lösen. Da möchte ich, dass wir dabei sind. Zweitens liegt es an unserer Generation, ob wir Europa voranbringen. Schaffen wir es, bei den wichtigen Themen in der Sicherheits- und der Außenpolitik, in der Wirtschaftspolitik zusammenzuarbeiten oder nicht? Und drittens müssen wir unsere Art des Wirtschaftens umkrempeln, damit wir ressourcenschonend leben. Auch da bietet die Digitalisierung enorme Potenziale.

5. Sorgen Sie persönlich finanziell für das Alter vor?
Ja, ich sorge vor, indem ich zum Beispiel in einen Fonds aus verschiedenen Aktien investiere.

6. Was glauben Sie: Wird Ihre Generation später von der Rente leben können?
Bisher ist es der Enkelgeneration immer besser gegangen als der Großelterngeneration. Ich sehe nicht, warum das auf einmal gravierend anders sein sollte. Daher: Ja, wir werden von unserer Rente gut leben können. Und wir werden so lange leben wie niemand zuvor, übrigens eben auch länger gesund älter werden. Deshalb ist es auch logisch, dass wir länger arbeiten werden, abhängig davon, wann man in den Beruf eingestiegen ist.

7. Was wollen Sie in den nächsten ein, zwei Jahren konkret erreichen?
Ich möchte gerne zum einen, dass wir endlich die digitale Verwaltung einführen, damit wir Europas bürgerfreundlichstes Land werden. Zum anderen ist es mir wichtig, dass wir die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich senken. Eine Million Menschen: Das ist mir zu viel in Zeiten, wo Deutschland boomt.

Zur Person

Kai Whittaker (32) ist einer der jüngsten Bundestagsabgeordneten. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Bristol und London. 2013 wurde er in den Bundestag gewählt, wo er ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales ist. Er lebt in Baden-Baden.

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