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Wo Langlebigkeit nichts Gutes ist

Die Ozeane werden immer mehr zur Müllhalde der Erde. Abfall aus Kunststoff wird uns um Hunderte von Jahren überleben. Bedenkliches zum Uno-Tag des Meeres vom 8. Juni.

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The Prophecy #2, Fabrice Monteiro, 2013 (Courtesy of Fabrice Monteiro)*

Der «Blaue Planet» wird die Erde oft genannt: Siebzig Prozent der Oberfläche sind mit Wasser bedeckt. Das macht sie zum einzigartigen Himmelskörper im Universum. Vielleicht aber müsste man sie bald eher den «Plastik-Planeten» nennen.

Über 8 Millionen Tonnen Kunststoff landen jährlich in den Ozeanen – das ist so, als würde jede Minute die Ladung eines Lastwagens in die Meere gekippt. Geht es so weiter, dürfte es im Jahr 2050 gewichtsmässig mehr Plastik als Fische in den Ozeanen geben, heisst es in einer Studie des World Economic Forum. Seit 1950, als die Produktion von Kunststoffen dank wissenschaftlichen Fortschritten markant zunahm, haben sich laut dieser Studie über 150 Tonnen Kunststoff in den Meeren angesammelt. Gut ein Fünftel des Mülls stammt von Schiffen, der grosse Rest gelangt vom Festland ins Meer.

Das Problem: Während ein möglichst langes Leben für den einzelnen Menschen in erster Linie ein Segen ist, wird die steigende Langlebigkeit des Mülls zum Fluch. Kunststoffe verrotten nur extrem langsam, wenn überhaupt. Was heute an Plastik im Meer landet, wird zum Teil noch in Hunderten von Jahren dort schwimmen oder liegen. Ein dünner Plastiksack zum Beispiel, den wir vielleicht nur zwanzig Minuten lang verwenden, um unsere Einkäufe nach Hause zu tragen, braucht zehn bis zwanzig Jahre, um wieder abgebaut zu werden. Bei einer Plastikflasche dauert es sogar 450 Jahre, bis sie zersetzt ist, wie die folgende Grafik zeigt. 

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Wegen des Kunststoff-Abfalls sterben jährlich rund eine Million Seevögel und 100 000 Fische, Meeressäuger und Schildkröten, schätzen die Vereinten Nationen, die am 8. Juni den Tag des Meeres begehen. Die Tiere verfangen sich im Müll oder sie verwechseln die bunten Plastikteile mit Nahrung. «Plastikteile können im Hals stecken bleiben oder den Verdauungsstrakt verstopfen – und so die Atemwege und die Nahrungsaufnahme der Tiere blockieren», warnt der WWF. In alten Fischernetzen können sich Wale, Delfine und andere Meeressäuger verheddern und darum qualvoll ertrinken. Über die Nahrungskette gelangen winzige Plastik-Partikel schliesslich auch in den menschlichen Körper.

Das ist die dunkle Seite eines Materials, das unser Leben verändert und vereinfacht hat wie kaum eines zuvor. Plastik ist aus der modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken – und wird uns um Hunderte von Jahren überleben. 

* Die Meeresverschmutzung ist auch ein Thema des Fotografen Fabrice Monteiro. Das Foto oben stammt aus dem Projekt «The Prophecy», das er zusammen mit dem senegalesischen Modedesigner Doulsy verwirklichte. Die apokalyptisch anmutende Fotoserie, über die Crowdfunding-Plattform Ecofund finanziert, hat die Umweltzerstörung in Afrika zum Thema. «Früher war Afrika sehr sauber», sagt Monteiro, der in Belgien geboren wurde und im westafrikanischen Benin aufwuchs. «Heute kannst du an manchen Tagen nicht mehr ins Wasser gehen, weil es so unglaublich verschmutzt ist.»

Das Foto wurde in der Bucht Baie de Hann in Dakar inszeniert, der senegalesischen Hauptstadt. Wo einst einer der schönsten Strände Westafrikas lag, bietet sich heute ein grausiges Bild. Die nahen Schlachthöfe entsorgen ihre Abfälle im Meer, Fetzen von Plastiksäcken hängen wie schwarze Blätter im Gestrüpp. Monteiro und Doulsy, der das Kostüm aus Müll entwarf, lassen dem verschmutzten Meer ein mutiertes Wesen entsteigen, das wie ein Menetekel für die Menschheit erscheint. «Ich wollte Bilder schaffen, die unsere Konsumgewohnheiten hinterfragen», sagt der Fotograf. «Durch die Mischung von Kunst, Kultur und Tradition möchte ich ein ökologisches Bewusstsein in der kommenden Generation wecken.»

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