Die größten Irrtümer über den Schutz gegen Berufsunfähigkeit

Kaum ein anderes Produkt ist so wichtig für die existenzielle Risikoabsicherung wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Kaum ein anderes Produkt wird aber gleichzeitig derart unterschätzt. Zeit, mit ein paar Irrtümern aufzuräumen.

Der größte Irrtum: Mich wird es schon nicht treffen.

So denken in der Regel junge, kerngesunde Menschen. Richtig ist, dass der gesetzlichen Rentenversicherung zufolge gut jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe seines Lebens seine Erwerbstätigkeit einschränken oder ganz aufgeben muss. Mit gravierenden Folgen. Einerseits fällt das Einkommen weg, andererseits müssen oft teure Therapien, Hilfsmittel oder Umbauten in Haus und Wohnung bezahlt werden. Und der Staat selbst sieht mit der Erwerbsminderungsrente nur noch eine geringe Absicherung vor.

Irrtum 2: Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit ist schwer zu kriegen

Analysen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) belegen: Auf 94 Prozent aller Anträge folgt ein Versicherungsangebot. Geld verdienen Versicherer nur mit Versicherungsverträgen, nicht mit Ablehnungen. Und ja – es kann im Verlauf der Risikoprüfung auch zur Ablehnung des Antrags kommen. Auch deshalb sollte man sich so frühzeitig wie möglich versichern. In jungen Jahren ist man in der Regel noch gesünder und hat nur selten relevante Vorerkrankungen. Grundsätzlich gilt: Nehmen Sie sich Zeit für die Fragen des Versicherers zu Ihrer Gesundheit. Werden hier falsche Angaben gemacht, riskiert man seinen Versicherungsschutz. Das gilt insbesondere dann, wenn der Versicherte vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat.

Irrtum 3: Im Leistungsfall drohen Probleme

Die Leistungen der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Versicherte erhielten 2016 rund 3,6 Milliarden Euro ausgezahlt, das sind fast 160 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Über die Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es zudem relativ wenige rechtliche Auseinandersetzungen. So gingen beim Ombudsmann für Versicherungen in 2015 nur rund 400 Beschwerden ein – bei 4 Mio. Verträgen für selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen und 12,9 Mio. Verträgen für Berufsunfähigkeitszusatzversicherungen. Übrigens: Nur bei knapp sechs Prozent aller Leistungsanträge beauftragten die Versicherer im Jahr 2015 einen Gutachter. Rund 60 Prozent dieser Gutachten stellten eine Berufsunfähigkeit fest und führten damit zu einem Ergebnis zu Gunsten der Versicherten.

Irrtum 4: Policen gegen Berufsunfähigkeit sind unnötig kompliziert

Wir sprechen von einem sehr komplexen Risiko, bei dem berufliche und gesundheitliche Aspekte über einen langen Zeitraum abgesichert werden. Es handelt sich daher um ein stark vom Einzelfall geprägtes Produkt. Berufe wandeln sich mit der Zeit, selbst wenn der Kunde seinen Beruf nicht wechselt. Erkrankungen existieren in großer Zahl und die einzelne Erkrankung wirkt sich bei verschiedenen Personen unterschiedlich aus. All dies und mehr muss bei der Berufsunfähigkeitsversicherung berücksichtigt sein. Deshalb nutzen die Versicherungsbedingungen übergreifende Formulierungen und Beschreibungen. Nur so passen die Bedingungstexte für alle Fallkonstellationen und erlauben auch die effiziente individuelle Zusammenarbeit mit den Kunden. Übrigens: Jede zweite von der Stiftung Wartentest überprüfte Police schnitt im Jahr 2015 mit „sehr gut“ ab.

Irrtum 5: Der Staat schützt besser

Wer jetzt fordert, dass Versicherer jeden jederzeit versichern müssen, missachtet das Versicherungsprinzip: Warum sollte man frühzeitig vorsorgen und sich versichern, wenn man damit warten kann, bis die Berufsunfähigkeit vor der Tür steht? So funktioniert kein Markt. Das duale System aus gesetzlicher Erwerbsminderungsrente und privater Absicherung gegen Berufsunfähigkeit besteht seit dem Jahr 2001. Damals hat niemand – auch die Politik nicht – versprochen, dass der private Sektor für jeden jederzeit BU-Schutz anbietet. Nach Aussage von Rückversicherern gibt es keinen anderen Markt in der Welt, in dem optionaler BU-Schutz derart entwickelt und verbreitet ist, wie in Deutschland. Fest steht, dass sich der Markt seit 2001 dynamisch entwickelt hat, wenngleich sicherlich immer noch zu wenig Menschen abgesichert sind. Viele dieser Menschen sind gefordert, sich rechtzeitig um diesen Versicherungsschutz zu kümmern.

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