Finanzcountdown

Zum Jahreswechsel verstreichen jede Menge Fristen, gelten neue Rahmenbedingungen, verändern sich Konditionen. Niedrigzinsen und Inflation stellen einen zusätzlichen Handlungsbedarf dar. Höchste Zeit also, sich Kontoauszüge und Versicherungsordner vorzunehmen und zu prüfen, was man zum neuen Jahr in die Wege leiten sollte. Mit folgenden sechs Tipps stellen Sie die Weichen in Sachen Finanzen und Absicherung richtig.

1. Altersvorsorge

Die Dauer-Niedrigzinsen machen sich auch in der privaten Altersvorsorge bemerkbar, vor allem bei Produkten, die vorwiegend in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Unser Tipp: Setzen Sie auf chancenorientierte Altersvorsorgeprodukte, die stärker auf Aktienfonds basieren. Viele davon lassen sich zudem mit einer Art Sicherheitsnetz in Form einer Bruttobeitragsgarantie versehen. Am Ende der Laufzeit erhält der Kunde einen von ihm vorab bestimmten Anteil der geleisteten Prämien in jedem Fall zurück. Wichtig: Je früher die Entscheidung für eine Ergänzung der privaten Altersvorsorge fällt, desto länger kann das Kapital Rendite erwirtschaften. Dem Zinseszinseffekt sei Dank. Um ein Beispiel zu nennen: Legt man einen Einmalbeitrag in Höhe von 10.000 Euro zehn Jahre lang an, erwirtschaftet man bei einer jährlichen Wertentwicklung von sechs Prozent knapp 18.000 Euro. Aus dem gleichen Betrag und bei der gleichen Wertentwicklung werden in 40 Jahren knapp 103.000 Euro[1].

Um für ein finanziell gesichertes Leben im Ruhestand vorzusorgen, ist darüber hinaus die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ein wichtiger Baustein. Bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung (gRV) lassen sich steuer- und sozialabgabenfrei einzahlen, 2017 sind das 3.048 Euro. Diesen Betrag können Sparer unter bestimmten Voraussetzungen um weitere 1.800 Euro aufstocken, auf die allerdings Sozialabgaben fällig werden. Mit einer Zuzahlung kann man hier noch Geld vor dem Fiskus bewahren. Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz werden die Rahmenbedingungen für die bAV weiter verbessert, so steigt zum Beispiel ab 2018 der förderfähige Betrag auf mehr als 6.000 Euro.

Kaum ein Finanzprodukt wird so zu Unrecht verurteilt wie die Riester-Rente. Dabei gibt es nur hier dank staatlicher Unterstützung  gute Renditeaussichten ohne Risiko. Und: Da sich der Staat noch mehr zu Riester bekennt, wird das Produkt jetzt noch attraktiver als zuvor. Zum Beispiel steigt die Grundzulage ab 2018 um 14 Prozent auf 175 Euro. Unser Tipp: Wenn Sie jetzt noch nicht riestern, dann handeln Sie jetzt und sichern Sie sich damit Ihr aktuelles Eintrittsalter! Denn starten Sie erst ab 2018, könnte es für Sie etwa 4,5 Prozent weniger Gesamtkapital bedeuten.[2] Prüfen Sie dabei auch, ob Sie genug einzahlen, um sich die vollen Zulagen vom Staat beziehungsweise den vollen Steuernachlass zu sichern. Beiträge zur Riester-Rente oder auch Basisrente (Rürup-Rente) lassen sich noch bis Silvester aufstocken. Bei Riester-Verträgen gilt: Wenigstens vier Prozent des Vorjahresbruttogehalts muss ein Sparer jährlich in den Vertrag stecken, wenn er die Gesamtzulagen ohne Abzüge einstreichen will. Bei einem Bruttogehalt von beispielsweise 50.000 Euro sind das 2.000 Euro. Davon abzuziehen sind die staatlichen Zulagen, also 175 Euro für den Einzahler ab 2018,185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, und 300 Euro für jedes jüngere Kind. Ein weiteres Highlight: Beginnt man den Vertrag, wenn man noch unter 25 Jahre alt ist, erhält man im ersten Vertragsjahr 200 Euro Zulage obendrauf. Durch den Zinseszinseffekt lohnt sich das. Bei Rürup-Verträgen ist die Steuerersparnis umso größer, je mehr der Sparer zurücklegt. Derzeit lassen sich 84 Prozent der Beiträge absetzen (ab 2018 sind es 86 Prozent) – bis zu einer Summe von 23.362 Euro. Für steuerlich zusammen veranlagte Ehepaare gilt der doppelte Satz.

Expertentipp: Nutzen Sie geförderte Produkte in einer chancenorientierten Variante, die insbesondere auf Investmentfonds basieren. So kombinieren Sie die Vorteile aus staatlicher Förderung und schlagen der Niedrigzinsphase ein Schnippchen.

[1] Quelle: Eigene Berechnung; Berechnungsvorgaben: Einmalbeitrag 10.000 €, Wertentwicklung p.a. 6%
[2] Berechnungsvorgaben: Geb. 01.01.1987; ein Kind, Vorjahres-Brutto: 20.000 €; Mindestbeitrag für volle Zulagen: 28,84 € mtl.; Einmalzahlung für volle Zulagen im Jahr 2017: 317,17 €, Laufzeit 37 Jahre; Angenommene Wertentwicklung 5% Brutto; Tarif AWR Volkswohl Bund

Altersvorsorge

2. Berufsunfähigkeitsversicherung

Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitspolice (BU) vor dem Jahreswechsel spart bares Geld. Bei vielen Versicherern ist der 1. Januar der Stichtag für die Berechnung des Kundenalters. Hier werden Menschen am Neujahrstag ein Jahr älter – und nicht an ihrem Geburtstag. Jedes Lebensjahr, das vor dem Abschluss verstreicht, verteuert die Beiträge. Ein Abschluss, der erst 2018 erfolgt, kann sich bei manchen Tarifen über einen längeren Zeitraum hinweg auf mehr als 5.000 Euro Mehrkosten summieren.[1]  Tipp: Wer sich noch 2017 eine Police zulegen will, sollte sich sputen, denn Bearbeitung und Bewilligung der Anträge dauern eine Weile.

Für viele körperlich arbeitende Menschen ist die BU-Versicherung allerdings sehr teuer. Ein Maurer, der eine Police über 1500 Euro Rente abschließen möchte, zahlt laut dem Analysehaus Franke & Bornberg zwischen 228 und 469 Euro pro Monat. Eine Bürokauffrau muss für denselben Versicherungsschutz nur ein Drittel des Beitrags berappen. Mit Erkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder Epilepsie ist es zudem schwer, überhaupt einen Vertrag zu bekommen. Es gibt allerdings (lange Zeit fälschlicherweise unterschätzte) Alternativprodukte wie die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die Grundfähigkeitsversicherung oder die Dread Disease-Versicherung. Letzteres ist besonders in Kombination mit den zuvor genannten Produkten und der Berufsunfähigkeitsversicherung zu empfehlen. Denn die Police sichert die finanziellen Folgen bei bestimmten schweren Erkrankungen ab, unter anderem Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt – und bietet im Leistungsfall eine Einmalzahlung. Welches Produkt Ihren Bedarf am besten abdeckt, zeigt Ihnen ein Berater nach einer eingehenden Analyse auf.

[1] Quelle: Eigene Berechnung; Berechnungsvorgabe: 1.800 € mtl. Berufsunfähigkeitsrente, Kunde: Geb. 24.12.1982, Endalter 67, Ingenieur; 70% Bürotätig, Abgeschlossenes Master-Studium, Versicherer: Volkswohl Bund, Tarif: SBU

Berufsunfähigkeit

3. Investment

Wer beim Sparen auf Anlagen wie das Sparbuch, Tagesgeldkonten oder deutsche Staatsanleihen setzt, könnte eine böse Überraschung erleben: Denn trotz der immerhin noch positiven – wenn auch niedrigen –  Zinsen dürfte die Kaufkraft des Geldes schwinden. Grund hierfür ist die Inflation, die in Deutschland mittlerweile wieder bei knapp zwei Prozent liegt, während sich die Zinsen konservativer Anlagen deutlich darunter befinden. So verringert sich die Kaufkraft von Jahr zu Jahr. Wer den Zinseszinseffekt, den Albert Einstein einmal als das achte Weltwunder beschrieb, positiv für sich nutzen möchte, sollte bereit sein, zumindest moderate Risiken in Kauf zu nehmen und seine Geldanlage möglichst breit streuen. Insbesondere beim mittel- oder langfristigen Vermögensaufbau  können Investmentfonds für unterschiedliche Anlegermentalitäten und Anlageziele eine spannende Alternative sein. Um die für Sie passenden Fonds zu finden, sollten Sie sich von einem Profi beraten lassen.

Zum 1. Januar  tritt das Investmentsteuerreformgesetz in Kraft. Unser Tipp: Prüfen Sie Ihren Freistellungsauftrag. Lassen Sie sich nicht verunsichern bzgl. des Wegfalls der Abgeltungssteuerfreiheit für Fondsanteile, die vor 2009 erworben wurden. Für diese Fonds gilt: Gewinne bis zum Jahresende 2017 bleiben für diese Fonds steuerfrei und für die Wertsteigerung ab 2018 steht ein einmaliger Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger zur Verfügung. 

4. Bausparen

Das Sparen für Haus oder Wohnung ist hierzulande die drittbeliebteste Form der Geldanlage. Fast jeder zweite Haushalt hat mindestens einen Bausparvertrag – nicht zuletzt, weil sie sich so die aktuellen Niedrigzinsen für eine spätere Finanzierung sichern. Geringverdiener, Berufseinsteiger und Ruheständler werden dabei vom Staat gefördert. Wer bis zum 31. Dezember einen Vertrag abschließt und Einzahlungen tätigt, kann noch die Wohnungsbauprämie für 2016 einstreichen. Sie macht bei einem Sparbetrag von rund 500 Euro immerhin etwa 45 Euro aus. Voraussetzung: Der Jahresverdienst, also das zu versteuernde Einkommen, beträgt höchstens 25 600 Euro für Alleinstehende bzw. 51.200 Euro für Verheiratete. Zusätzlich gibt es für Arbeitnehmer mit der Arbeitnehmersparzulage eine weitere Förderung, die insbesondere für Auszubildende interessant ist.

5. Pflegeversicherung

Aufgrund der im Januar 2017 umgesetzten Pflegereform erhalten nun 200.000 Menschen mehr als im Vorjahr erstmals Leistungen. Für die Betroffenen ist eine gute Sache. Die Gesamtausgaben sind jedoch seitdem um etwa 30 Prozent gestiegen. Die Zahl der auf Pflege angewiesenen Menschen und die damit verbundenen Kosten werden auch in den kommenden Jahren wachsen. Umso wichtiger ist nun eine ergänzende private Pflegevorsorge. Bei den meisten Anbietern zahlen Neukunden ab dem 1. Januar den Beitrag des nächsten Lebensjahres. Unser Tipp: Schließen Sie noch in diesem Jahr eine Police ab, um sich dauerhaft den günstigeren Beitrag des jüngeren Eintrittsalters zu sichern. 

Pflege

6. Krankenversicherung

Unsere Gesellschaft wird immer älter, die medizinische Versorgung immer kostspieliger. Das trifft neben den gesetzlichen Kassen auch die private Krankenversicherung (PKV). Zum Jahreswechsel ist daher mit teils deutlichen Beitragssteigerungen zu rechnen. Um künftige Prämiensprünge abzumildern, können Versicherte bei vielen Gesellschaften bereits heute Zusatzbeiträge leisten, mit denen zusätzliche beitragsdämpfende Rücklagen gebildet werden. Der Clou: An diesem Mehraufwand beteiligen sich Arbeitgeber bis zum Höchstzuschuss – darüber hinaus ist der Eigenanteil beim Finanzamt absetzbar. Die garantierte Beitragsentlastung im Alter ist überdies steuerfrei. Von einem überhasteten Wechsel zu einem anderen Anbieter raten wir ab. Zum einen ist damit eine erneute Gesundheitsprüfung verbunden, zum anderen verlieren Kunden unter anderem bereits aufgebaute Alterungsrückstellungen. Das höhere Eintrittsalter bringt automatisch einen Aufschlag bei den Beiträgen mit sich. Männer müssen zudem in den für sie teureren sogenannten Unisex-Tarif wechseln. Weiterhin bietet nur die private Krankenversicherung eine Antwort auf den Demografiewandel. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung sind bei der PKV die Leistungen zudem lebenslang garantiert. Wer sich privat versichern kann, sollte sich unbedingt noch in diesem Jahr beraten lassen.

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