Demenz, und nun? Hier gibt es Tipps für Angehörige.

Demenz zählt zu den häufigsten Erkrankungen, die das Alter mit sich bringt. Je offener Sie als Angehöriger mit der Erkrankung umgehen und je besser Sie sich darüber informieren, desto leichter fällt es Ihnen ein demenzkrankes Familienmitglied zu entlasten und zu begleiten. Wir geben Ihnen Tipps an die Hand.

Amandus Rosenbach leidet an Alzheimer. Als seine Krankheit voranschreitet, beschließt die Familie, ihn in einer Pflegeeinrichtung betreuen zu lassen. Nur eine möchte das nicht akzeptieren – Enkelin Tilda. Die Elfjährige begibt sich gemeinsam mit dem Großvater auf eine abenteuerliche Reise nach Venedig, die über viele Höhen und Tiefen wieder zurück nach Hamburg führt. Tildas rührendes Verhalten öffnet die Augen ihrer Eltern: Amandus wird im eigenen Heim bis zum Lebensende begleitet.

7,19 Millionen Kinobesucher sahen die Tragikomödie „Honig im Kopf“ in Deutschland. Damit war der Film der meistgesehene des Jahres 2014 und belegt sogar den sechsten Platz der erfolgreichsten Produktionen in der Bundesrepublik seit 1968. Diese Ergebnisse kommen nicht von ungefähr. Denn Demenz zählt zu den häufigsten Erkrankungen, die das Alter mit sich bringt. Viele Menschen kennen Betroffene im Familien- und Bekanntenkreis. In der Medizin steht Demenz als Oberbegriff für mehrere Krankheitsbilder. Diese verlaufen unterschiedlich, führen aber langfristig alle zum Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit (z. B. Erinnerungs- oder Orientierungsvermögen). Alzheimer ist mit einem Anteil von etwa 60 % die häufigste Ursache für eine Demenzerkrankung. (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft).

Die Diagnose stellt viele Familien vor eine Herausforderung. Nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige erleben im Verlauf der Erkrankung oft ein Wechselbad der Gefühle. Die Sorge um den demenzkranken Vater, die Ehefrau oder Oma kostet viel Zeit und Kraft. Die Erfahrung zeigt aber, dass mit der Zeit die Normalität in den Alltag zurückkehrt – denn viele Angehörige entwickeln ein gutes Gespür für die Erkrankung. Dabei gilt: Je offener Sie als Angehöriger mit der Erkrankung umgehen und je besser Sie sich darüber informieren, desto leichter fällt es Ihnen ein demenzkrankes Familienmitglied zu entlasten und zu begleiten. So gelingt es Ihnen auch trotz der Erkrankung viele schöne Stunden miteinander zu verbringen. 

Tipps zum Umgang mit demenzkranken Angehörigen

Ermöglichen Sie einen geregelten Tagesablauf: Demenzkranken fällt es schwer mit neuen Dingen zurechtzukommen. Deshalb sollten Sie ihnen – so gut es geht – einen geregelten Tagesablauf ermöglichen. Halten Sie auch an wichtigen Gewohnheiten der Betroffenen fest. Das bietet ihnen Sicherheit. Geht Ihr Vater also seit Jahren einmal die Woche zu seinem geliebten Stammtisch, sollte er das auch so lange wie möglich noch tun.

Reagieren Sie mit Lob und Verständnis: Wie wir alle, brauchen auch Demenzkranke Bestätigung. Sprechen Sie darüber, was Ihr Vater gut gemacht hat. Kritisieren Sie ihn nicht für Dinge, die er nicht kann oder weiß. Räumen Sie falsch verstaute Dinge stillschweigend an ihren Platz. Es hilft Ihrem kranken Vater nicht, z. B. mit der Brille im Kühlschrank konfrontiert zu werden. Auch in schwierigen Situationen ist Verständnis nun das A und O.

Unterstützen Sie die eigene Selbstständigkeit: Ihre Angehörigen sollten sich nicht entmündigt fühlen. Sie merken noch lange, ob sie ernst genommen werden. Fördern Sie daher so lange wie möglich ihre eigene Selbstständigkeit. Dabei gilt: Was Ihr krankes Familienmitglied noch kann, soll es selbst machen, auch wenn es gelegentlich länger dauert. Manchmal reicht es, freundlich daran zu erinnern, was man tun wollte.

Selbstständig trotz Demenz

Seien Sie geduldig und planen Sie Zeit dafür ein: Auch einfache Aufgaben dauern nun länger. Planen Sie diese Zeit von vornherein ein. Wenn Ihr krankes Familienmitglied minutenlang seinen Pullover nicht anzieht, sondern überlegt, warum es ihn in der Hand hält, erinnern Sie es höflich daran und üben Sie sich in Geduld. 

Arbeiten Sie mit Erinnerungsstützen: Gut lesbare Zettel mit Hinweisen dienen als Erinnerungsstützen und geben Orientierung. Bringen Sie diese beispielsweise an Schränken oder Türen an. Darauf können Informationen zum Alltag oder Antworten auf Fragen, die sich Betroffene oft stellen, stehen. Auch ein Kalender mit dem aktuellen Datum oder große Uhren erleichtern die Orientierung. 

Demenzkranke Frau mit Erinnerungsstütze

Denken Sie auch an sich selbst: Sich um einen demenzkranken Angehörigen zu kümmern, strengt an. Schaffen Sie sich daher regelmäßige Auszeiten, um selbst wieder Energie zu tanken. Lassen Sie die Krankheit nicht Ihr eigenes Leben komplett bestimmen. Nutzen Sie Hilfsangebote und tauschen Sie sich mit Menschen aus, die in der gleichen Situation sind. Viele Menschen empfinden dies als sehr hilfreich. 

© Fotos: thinkstock

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