Vitaminpillen: Weniger ist mehr

„Für Energie und starke Nerven“, „Schöne Haut kommt von innen“, „Zur Unterstützung des Fettstoffwechsels“, „Fit mit Omega-3-Fettsäuren“ – Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln werben mit zahlreichen Versprechen. Doch diese Behauptungen sind meist weder nachgewiesen noch sagen sie etwas über einen tatsächlichen gesundheitlichen Nutzen der Mittel aus.

Im Gegenteil: Solche Präparate können sogar ein gewisses Gesundheitsrisiko bergen. Dennoch kauft ein Drittel aller Bundesbürger regelmäßig in der Drogerie, im Supermarkt, in der Apotheke oder im Internet Brausetabletten, Kapseln, Tabletten und Pülverchen – rund 1,3 Milliarden Euro werden in Deutschland pro Jahr für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben.

Was viele nicht wissen: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arznei, sondern gelten als Lebensmittel und durchlaufen somit keine medizinischen Zulassungsverfahren. Es gibt also keine Qualitätssicherungsprozesse oder strenge Tests zur Wirksamkeit, bevor die Mittelchen auf den Markt gelangen. Mehr noch: Wer übers Internet bestellt, erfährt nicht unbedingt, wo die Mittel produziert wurden und welche Inhaltsstoffe sich letztlich darin befinden. Präparate aus dem Ausland müssen nicht einmal nach den Kriterien des deutschen Lebensmittelschutzgesetzes hergestellt werden. So kommt es nicht selten zu Verunreinigungen, die zu langfristigen gesundheitlichen Schäden, in Extremfällen zu lebensbedrohlichen Zuständen, führen können.

Doch warum gehört die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bei vielen auf den Speiseplan? Einige greifen zu Tabletten und Co, weil sie ein schlechtes Gewissen haben und meinen, ihre falsche Ernährung mit Brausetabletten ausgleichen zu können. Andere denken, damit ihr Wohlbefinden steigern und die Gesundheit ankurbeln zu können. Aber: Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Menschen, die sich ganz normal ernähren, in der Regel überflüssig. Bei ausgewogener Ernährung bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht. Für die empfohlene Tagesmenge an beispielsweise Vitamin C reicht schon der Verzehr einer halben Paprika. Auf der anderen Seite kann eine unausgewogene Ernährungsweise nicht durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden. Im Gegenteil: Werden über einen längeren Zeitraum viele fettlösliche Vitamine eingenommen, können die Nieren belastet werden. Zu viel Vitamin A kann zu Übelkeit, Kopfschmerzen und Haarausfall führen.

Nur in bestimmten Fällen ist eine gezielte Nahrungsergänzung mit einzelnen Nährstoffen sinnvoll, zum Beispiel Folsäure in der frühen Schwangerschaft oder Mineralien für mangelernährte Senioren. Allerdings nur in Absprache mit dem Arzt!

Viel hilft in diesem Fall nicht viel – seien Sie bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel skeptisch und sprechen Sie sich mit Ihrem Arzt ab. Eine einigermaßen ausgewogene Ernährung, bei der auch mal Burger und Co erlaubt sind, wird in den meisten Fällen jedes Pülverchen obsolet machen.